Olli gegen die Bahn

Dieser Freitag ist ein Sonntag

 

Man muss nur fest genug dran glauben. Wenn man das konsequent praktiziert und alle mitspielen, dann kann man den Bahnkunden auch klar machen das nicht der Zug zu spät ist, sondern der Rest der Welt zu früh. Oder wenn die Bahnkunden alle etwas unzuverlässiger wären, man nicht so viele Probleme mit der Deutschen Bahn hätte.

Und dann noch was. Es gibt Fahrpläne in denen Hinweise stehen wie „ Samstag ab Würzburg wsl. 20 Min. Verspätung“? Das ist nicht wahr, oder? Wer so etwas sieht der möge mir bitte ein Foto davon schicken (info@bahn-bahn-bahn.de).
Das wäre ja so als wenn ich den Sanitärinstallateur (sorry, ich meinte Anlagenmechaniker für Sanitär- Heizung und Klimatechnik) bitte mir ein neues Waschbecken in 80cm Höhe anzubauen und er (oder sie) mich freundlich darauf hinweist das es vielleicht auch 160cm werden könnten. Hallo Bahn! Schreibt doch gleich drunter das Verspätungen bis zu 3 Tagen im gesamten Streckennetz der Deutschen Bahn nicht auszuschließen sind.

 

Hier nun der Grund für meine Erregung. Johanna hat folgendes erlebt und ist damit zum Bahn-Würstchen des Monats nominiert.

Bahn-Würstchen des Monats - Nominiert-LabelIch, seit etwas über einem Jahr Wochenendpendlerin, hatte schon einige nette Erlebnisse mit der deutschen Bahn. Beispielsweise, dass der Zug Richtung Frankfurt, der jeden Tag der Woche außer Sonntags jede Stunde immer zur gleichen Zeit am gleichen Gleis abfährt, es sich plötzlich, als ich mich eines Freitag Abends, gegen 21 Uhr, entschloss, diesen zu benutzen, anders überlegte, und jetzt genau an diesem Tag zu dieser Zeit an diesem Gleis NICHT fuhr. Ich sah auf den Fahrplan. Er müsste fahren. Ich wartete. Ich fragte schließlich eine Bahnbeamtin. Die sah auf den Fahrplan und meinte : “Ja gucken Sie doch mal, dat Zeichen da hinter dem Zuch!” – “Ja, das heißt er fährt nicht Sonntags.” – “Ja sehen Sie, junge Dame! Und wat is heute für en Tach?” – “……Freitag (!?!?)” – “Ja also, steht doch druff dass der nit fährt!” . Das ließ ich dann mit großen Augen so im Raum stehen und nahm einfach den nächsten Zug, bei dem jedoch nicht Frankfurt, sondern Hanau als Endziel angegeben war. Da ich circa auf Mitte der Strecke aussteigen musste, rief ich meinen Freund an, dass ich jetzt einfach den nächsten Zug genommen hätte, und dass er mich, falls ich um 3 Uhr nachts immer noch nicht angekommen wäre, bitte nicht suchen solle, ich würde sicher irgendwo in Hamburg rauskommen. Er beruhigte mich mit den Worten : Keine Sorge, wenn der Zug in Aschaffenburg und Rückersbacher Schlucht hält, dann hält er auch bei mir! Ich glaubte ihm das und hielt Ausschau nach beiden Haltestellen. Aschaffenburg schön und gut, aber die Haltestelle “Rückersbacher Schlucht” durfte sich noch nicht ein mal “Haltestelle” nennen. Ich sah aus dem Fenster und wähnte mich im Wald. Oh nein, warten Sie, tatsächlich, es gab einen Steg, der durch den Wald nach oben an die Straße führte. Eine unglaubliche Verarsche! Immerhin kam ich an.

Länger warten musste ich jedoch, als ich, um dem Sonntagsstress zu entgehen, vor einigen Wochen samstags wieder zurück Richtung Frankfurt fahren wollte. Ich kam bereits mit Verspätung in Nürnberg an, verpasste den ersten ICE, sah aber, dass in einer halben Stunde ein anderer fahren würde, schloss also den RE, der in einer dreiviertel Stunde gefahren wäre, aus. Nach 25 Minuten Wartezeit ging ich zum Gleis, schon leicht entnervt, aber sehr positiv überrascht, dass der Zug schon da stand. Ich stieg ein, suchte mir einen Platz und dachte mir “Ach, ICE fahren ist schon besser als RE”. Tja. Als dann jedoch nach einer Viertelstunde Verzögerung der Schaffner durchsagte, dass sich die Abfahrt um weitere 20 Minuten verzögern würde, verfluchte ich die ICEs und stieg aus, um doch noch den RE zu erwischen. Was ich natürlich nicht tat. Also ging ich wieder in die Halle und sah nach den nächsten Zügen, schon komplett mit den Nerven am Ende. Ich fand tatsächlich einen ICE, der -laut Plan- in 10 Minuten fahren sollte. Jedoch befand sich unter dem Fahrplanaushang ein kleiner, rot gedruckter Satz, der besagte : Samstag ab Würzburg wsl. 20 Min. Verspätung. Es war Samstag. Ich musste über Würzburg. Ich war bereits 3 Stunden unterwegs und noch nicht einmal aus Nürnberg weg, für eine Strecke, die man normalerweise in 2 1/2 Stunden bewältigen kann. Ich verzog mich hinter dem Nürnberger Info-Point und heulte Rotz und Wasser (ein sehr geeignetes Fleckchen zum Rückzug, vorne durch den Info-Point und seitlich durch die Aufzüge geschützt, ich bin dafür, dass man dort Sessel aufstellt und Gratis Heiße Schokolade und Taschentücher bereitstellt!). Ich stieg schließlich in den Zug, der OH WUNDER püntlich abfuhr. Die Schaffnerin kontrollierte mich : “Fahrkarte!” – “Hier…schluchz,heul,schluchz,schluchz…” – “BahnCard!” – “Ja, schnief, bitte, hier..schluchz,wein,schluchz..” – “Danke!” .
Um es kurz zu fassen, ich fühlte mich von der ganzen weiten Welt verarscht und von dieser Schaffnerin am allermeisten. Und so geht es mir leider recht oft wenn ich Bahn fahre, ich melde mich, wenn mir das nächste Missgeschick zustößt!

Fahrplanhinweis - Himmel, Arsch und Bahn!

 Als eCard verschicken.

 

Bewertung

1 Kelle2 Kellen3 Kellen4 Kellen5 Kellen (2 mal bewertet. Durchschnittsbewertung: 4,00 von 5)
Loading ... Loading ...

 

 

Einen Kommentar schreiben