Olli gegen die Bahn

Umsteigen und am gleichen Tag ankommen?

 

Bahn-Würstchen der Woche

(18.10. – 24.10.2010)

Bahn-Würstchen - Manuel Paulus

Manuel Paulus
100 Meter mit der Bahn fahren und am gleichen Tag noch einen Freund besuchen geht beim besten Willen nicht. Das geht vor allem dann nicht, wenn man auf der Hälfte der Strecke auch noch umsteigen muss.

 

Hier die ganze Story:

Montag: Ich muss für Aufnahmen nach Köln-Longerich, bin danach noch mit ner Freundin in Köln verabredet. Pünktlich um 17:01 stehe ich am Bonner Hauptbahnhof und schaue auf die große Anzeigetafel, da mich die Menge an sickigen Leuten auf dem Bahnsteig verunsichert und ich nachsehen will, ob mein Zug eventuell Verspätung hat. Dieser steht jedoch schon gar nicht mehr an der Anzeigetafel, da diese nur etwa 30 Züge fasst und vollständig ausgelastet ist, wobei die geringste angezeigte Verspätung 60 Minuten betrifft. Ein Mitreisender informiert mich, dass die Strecke Köln-Bonn-Koblenz komplett dicht sei und nahezu nichts mehr führe. Ergebnis: Aufnahmen auf Dienstag verschoben, Freundin abgesagt, Freundin enttäuscht, ich sauer.

Dienstag: Ich muss für Aufnahmen nach Köln-Longerich, musste durch die Verschiebung meiner Mutter absagen, mit der ich eigentlich für heute verabredet war. Konnte meine Freundin ebenfalls auf heute verschieben. Die Hinfahrt verläuft erstaunlich problemlos, sogar die Klimaanlage des nur leicht überfüllten Zuges funktioniert. In Köln angekommen begebe ich mich zu S-Bahn, die in vier Minuten einfahren soll. Stattdessen fahren allerdings diverse andere Züge ein und aus, die S11 wird zunächst mit fünf, dann zehn und schließlich 15 Minuten Verspätung angezeigt. Ob die Bahn, die schließlich einfährt, dieser Zug oder der planmäßig 20 Minuten später kommende und fünf Minuten verspätete Folgezug ist, weiß ich nicht. Jedenfalls ist er proppenvoll, ich mache mir mit meiner Gitarre eine Menge Freunde und schwitze mir mindestens 47% meines Wasserhaushaltes aus dem Leib. Schließlich komme ich mit einer Verspätung von 65 Minuten beim Proberaum an – für die Strecke Köln HBF-Longerich braucht der Zug normalerweise neun Minuten. Nachdem die Aufnahmen fertig sind rufe ich meine Freundin an, die jedoch im Glauben war, ich würde schon am frühen Nachmittag anrufen, nicht erst, wenn ich aus dem Proberaum raus bin, und sich dementsprechend schon was anderes vorgenommen hat. Auf der Rückfahrt muss ich mir einen Vierer mit zwei Handymusik-Spacken teilen. Dafür kann die Bahn allerdings nichts. Ergebnis: Ich bin vollständig durchgeschwitzt, meine Freundin ist ein wenig angesickt, die Verabredung wird auf Mittwoch verschoben.

Mittwoch: Ich möchte nach Köln-Bilderstöckchen, bin für halb acht angemeldet. Um 17:30 stehe ich am Bonner Hauptbahnhof, wo eine erschreckend an Montag erinnernde Menge am Bahnsteig steht. Mein Zug wird momentan mit zwanzig Minuten Verspätung angezeigt. “Geht ja noch,” denke ich mir und gehe in die Katakomben des Bahnhofes, um mir eine Cola zu kaufen. Als ich wieder in der Haupthalle ankomme, steht die Verspätung bei 45 Minuten, beim Nachfolgezug sind es noch fünf. Der Nachfolgezug fährt schließlich als erster in den Bahnhof ein – die Verspätung des ersten steht inzwischen bei einer Stunde – muss allerdings die Fahrgäste dreier Züge aufnehmen, so dass diverse Unglückliche – inklusive mir – nicht mehr in den Zug passen. Laut meiner Hochrechnung wäre ich frühestens um 20:30 am Ziel gewesen, hätte aber um 22:30 schon wieder weggemusst, da ich morgen früh raus muss.
Ergebnis: Freundin drei mal in Folge sitzen gelassen, Freundin stinksauer, die Bahn belegt die Plätze eins bis neun meiner persönlichen Todesliste.

 

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